NACHRICHTEN
"Didaktik 4.0 - Herausforderungen für Schule, Ausbildung und Lebensbegleitendes Lernen"
 

Vortrag von Frau Prof. Friese innerhalb der Fachdidaktischen Reihe am 7. Mai 2019 um 18.30 Uhr im...

Rub: HC Mittelhessen
"Mehr Demokratie üben und Grenzen erkennen - Sprache, Politik und gemeinsames Handeln in der Erwachsenenbildung"
 

So lautet der Projekttitel 2019, des vom Paritätischen Bildungswerk Hessen e.V. durchgeführten...

Rub: HC Mittelhessen
Workshopreihe "Gesellschaftliches Empowerment" im Bildungshaus Bad Nauheim
 

Das Bildungswerk der Hessisches Wirtschaft e.V. und Burg Fürsteneck bieten in Kooperation mit dem...

Rub: HC Mittelhessen
12. Veranstaltung innerhalb der Fachdidaktischen Reihe
 

Vortrag "Sprache als Barriere" am 21.11.2018 im Mathematikum

Rub: HC Mittelhessen
Montag, 23. April 2018

„Es braucht Haltung und Unterstützung“

Rubrik: HC Mittelhessen
Prof. B. Käpplinger im Dialog mit W. E. Meier über das Thema "Werte im (Dis-)Kurs - Integration und interkulturelle Bildung", am 16.04.2018 im Mathematikum

Prof. Käpplinger (r.) und W. E. Meier (l.) im Gespräch Foto: Nadine Schönwolf

Migration bewegt gesellschaftlich und wird kontrovers diskutiert. So auch am Montag, den 16.04.2018, als der Hessencampus Mittelhessen in Kooperation mit der Justus-Liebig-Universität Gießen erneut zu einem interessanten Abend in den Kugelbahnraum des Mathematikums einlud. Zum Thema des Abends „Werte im (Dis-)Kurs – Integration und interkulturelle Bildung“ gab Prof. Bernd Käpplinger (Justus-Liebig-Universität) Einblicke in die akademische Auseinandersetzung hierzu und trat mit Herrn Wolfgang Eberhard Meier (Kursleiter von Integrationskursen, Meiers Sprachservice) in Dialog über die Vermittlung von Werten in interkulturellen Bildungskontexten. Dabei dienten Videofälle aus Sprach- und Integrationskursen als Grundlage, sich eingehend am realen Kursgeschehen fern von Idealisierungen oder Dämonisierungen mit Aspekten des Lehrens und Lernens und alternative Vorgehensweisen zu beschäftigen.

 

Im Laufe der Veranstaltung wurde immer wieder deutlich, dass Sichtbarkeit und Wertschätzung für die pädagogische Tätigkeit von Lehrenden in Integrationskursen und die damit verbundenen komplexen Herausforderungen ernster genommen werden müssen. Käpplinger fordert „wenn uns diese Aufgabe und die damit verbundene Wertebildung so wichtig ist, dann müssen wir dem Personal auch umfangreiche Möglichkeiten zur Aus- und Fortbildung bieten, damit dem vorherrschenden Druck souverän begegnet werden kann.“ Das Ziel von Orientierungskursen sei nicht einzig das Bestehen des Multiple-Choice-Tests „Leben in Deutschland“, sondern vor allen Dingen, einen Austausch über Werte und kulturelle Unterschiede zwischen den Kursteilnehmenden und der Kursleitung zu initiieren, so Meier. „Der Satz ‚Integration findet nicht im Integrationskurs statt‘ hat schon eine gewisse Richtigkeit, aber was ganz wichtig ist, wir bereiten Integration vor“, macht Meier dem Publikum deutlich und betont, welche große Verantwortung damit verbunden sei. Dem interkulturellen Lernen steht nämlich ein Curriculum gegenüber, was auf Ergebnisse in Form von Richtig oder Falsch abzielt. So steht die Kursleitung im Spannungsfeld zwischen Selbstreflektion als Schlüssel zur Auseinandersetzung mit Werten und Toleranz sowie dem Anspruch, die Kursteilnehmenden zum Prüfungserfolg zu führen. „Der entscheidende Punkt ist, zu verstehen, was Toleranz bedeutet. Man kann nur tolerieren, was dem eigenen Weltbild nicht entspricht. Erst in der Auseinandersetzung und der damit verbundenen Möglichkeit von Toleranz beginnt die Integrationsarbeit.“, fasst Meier zusammen.

 

Prof. Käpplinger fordert dazu auf, „eine kritische und aufmerksame Fehlerkultur zu erlauben“ und wünscht sich „ein lernendes System, das es ermöglicht ohne Vorbehalte und ohne Klischees, mehr über die Kurse zu lernen, genauer hinzuschauen, sie zu optimieren“. Unabhängige Kursforschung mit Videofällen könnte dafür ein wichtiger Ansatz sein. So wurde die Frage aufgeworfen, wie wohl gelehrt aber auch gelernt werden würde, wenn es am Ende des Kurses keinen Multiple-Choice-Test zu bestehen gäbe, der u.a. nach dem Verfasser des Deutschlandlieds fragt.

 

Neben Prof. Bernd Käpplinger, Herrn Wolfgang Eberhard Meier, Herrn Torsten Denker (Sprecher des Hessencampus Mittelhessen und Leiter der vhs Landkreis Gießen) und Herrn Prof. Dr. Beutelspacher, Leiter und Gründer des Mathematikums Gießen, der zur Begrüßung ein paar Worte an die Teilnehmenden richtete, versammelten sich knapp 60 Lehrende, Studierende, Mitarbeitende von Bildungseinrichtungen und Hochschuldozierende im Kugelbahnraum des Mathematikums Gießen.

 

Im Anschluss an den Vortrag gab es Raum für Fragen und Diskussionen und auch beim abschließenden Get Together mit vom Bildungshaus Bad Nauheim bereitgestelltem Fingerfood konnten die Teilnehmenden und die Referierenden noch einmal ins Gespräch kommen.